81 Millionen Marketingspezialisten
29. Juni 2011Unser Diplomand beschäftigt sich noch immer – neben seiner persönlichen Spezial-Enzyklopädie (schon stolze 50 Seiten dick) – mit der Frage, welche Marketingagenturen er für seine Arbeit befragen könnte. Das Problem liegt dabei in der Betrachtung, was (Guerilla-)Marketing überhaupt ist:
So gibt es in Deutschland genau 15 Guerillamarketingagenturen, die sich hauptsächlich dort angesiedelt haben, wo es genügend zu bewerben gibt. Das leidige Ost-West-Thema hatten wir ja aber bereits hinter uns gelassen und deswegen weiter im Text. Das Problem liegt hier anders, nämlich in der Aufgabe der Diplomarbeit: Es sollen mindestens 15 Agenturen befragt werden und da es hierzulande genau 15 gibt, kann das nicht funktionieren. Es sei an dieser Stelle an den TÜV-Futzi erinnert: Ein Auto, welches 190 km/h fahren kann, darf keine Reifen haben die bis 190 km/h zugelassen sind und deswegen kann man auch nicht sagen, dass 15 Agenturen ausreichen, wenn 15 befragt werden sollen. Eine könnte ja gerade bestreikt werden oder Urlaub haben oder keine Lust auf Wissenschaft haben oder pleite sein. Und deswegen…
..meint der Lehrstuhl für Marketing oder zumindest die paar Hanseln die noch übrig sind, nachdem sich der Prof zurückgezogen hat, dass auch das virale Marketing, das Ambush Marketing, das Ambient Marketing und das Sensation Marketing zum Guerilla-Marketing gezählt werden darf. Bei dieser Frage spaltet sich aber die Fachwelt in zwei verschiedene Lager: Die einen meinen Guerilla-Marketing ist der Überbegriff zu all den Genannten und die andere Seite meint, dass das Guerilla-Marketing eine parallele Sparte neben den anderen vier Gruppen ist. Daher weht also der Wind der Diplomarbeit: Um einen Bürgerkrieg der Wissenschaftler zu verhindern muss Andre die Frage ein für alle Mal klären: Was ist eigentlich Guerilla-Marketing? Dafür muss er die besagte Befragung durchführen, aber dafür muss er erst mal wissen, wen er befragen soll und dafür muss er sich überlegen, was alles zum Guerilla-Marketing gezählt wird und an dieser Stelle beißt sich der Andre in den eigenen Schwanz, da er diese Frage erst nach dem Lesen seiner eigenen Diplomarbeit beantworten kann. Und deswegen muss er nun zu allererst eine Zeitmaschine entwickeln.
So. Ansonsten kann festgestellt werden, dass, wenn man die Ebene des Guerilla-Marketing verlässt und sich allgemein über Marketing informieren will, fast jeder ein Marketingexperte ist und es daher „Marketingberatungen“ und „Marketingagenturen“ hierzulande wie Sand am Meer gibt. In Dresden allein über 200 Stück. Wer nichts wird, wird Wirt oder eben Marketingexperte. Dabei gibt es aber leider auch solche Experten die meinen, dass das Aufkleber designen 100% Marketing ist und dass Guerillamarketing hingegen nix ist, da man damit einfach niemanden erreicht (Namen dürfen leider nicht genannt werden): Nö dat hier fällt ni uff. Nach der Fertigstellung der Zeitmaschine also, aber noch vor der Auswahl der Interviewpartner, muss Andre noch die Spreu vom Weizen oder eben die Scharlatane von den echten Profis trennen, um keine Verzerrung der Dummquatscher und Hochstapler zu erhalten.
Wer nicht wirbt, stirbt! (Henry Ford)